Rebberg Erlenhof bei Reinach

Mit dem Rebberg Erlenhof in Reinach gewannen die Zunftwinzer wertvolle Rebfläche für neue Weinprofile und Spezialitäten. Stand der Neustart im Jahr 2016 noch im Zeichen von Pinot Noir und einer frostigen Katastrophe, blickt die E. Zunft zu Rebleuten heute mit der robusten Neuanpflanzung der Sorte Pinot Regina in die Zukunft. Eine spannende Lage für die passionierten Zunftwinzer – und ein Genuss für alle Weinliebhaber.

E.E. Zunft zu Rebleuten - Erlenhof

A: Zunft Rebberg

B: Zentrum Erlenhof

C: Parkplatz

Ausgangslage – Bedarf an zusätzlicher Rebfläche

Mit der wachsenden Zahl aktiver Zunftwinzer und dem Wunsch nach neuen Weinprofilen stieg der Bedarf an zusätzlicher Rebfläche. Gleichzeitig verfolgten die Zunftwinzer das Ziel, Qualität und Vielfalt zu steigern und Raum für Spezialitäten wie Crémant, Blanc de Noir, Rosé, Verjus, Grappa oder Dessertweine zu schaffen.

E.E. Zunft zu Rebleuten - Erlenhof

Der Erlenhof-Rebberg gehört zum pädagogischen Zentrum Erlenhof und wurde zuvor von einer Obstbaufirma bewirtschaftet, welche die Trauben an eine Kellerei lieferte. Als dieser Vertrag auslief, ergab sich für die Zunftwinzer die Chance, einen Teil der Fläche langfristig zu übernehmen.

E.E. Zunft zu Rebleuten - Erlenhof

Rolle von Zentrum Erlenhof

In enger Abstimmung mit dem Zentrum Erlenhof wurde ein Konzept erarbeitet, das die Bewirtschaftung, Verantwortung und Nutzung der Parzellen klar regelt.

E.E. Zunft zu Rebleuten - Erlenhof

Parzellengrösse und Zunftanteil

Die gesamte Rebfläche am Erlenhof umfasst rund 4’800 Quadratmeter in sonniger Lage mit guter Erschliessung und Zufahrt. Davon bewirtschaftet die E. Zunft zu Rebleuten etwa 1’500 Quadratmeter als eigene Zunftparzelle.

E.E. Zunft zu Rebleuten - Erlenhof

Ursprünglich war der Erlenhof-Rebberg vollständig mit Pinot Noir bepflanzt und bot damit eine wertvolle Ergänzung zur Klus. Die Lage war von Beginn an darauf ausgerichtet, qualitativ hochstehende Rotweine und Grundweine für Spezialitäten zu liefern.

Frosteinbruch und Jahrgangsverluste

Der Frosteinbruch im April 2017 führte zu massiven Schäden an den Rebstöcken und liess die Erwartungen an den ersten vollen Ertrag dramatisch einbrechen. In der Folge konnte nur eine deutlich reduzierte Menge geerntet werden, was die Zunftwinzer zwang, kleine Erträge aus Klus und Erlenhof zusammen zu verarbeiten, etwa zu einem Blanc de Noir.
​

Heutige Situation und Parzellenanalyse

Die Ereignisse der ersten Jahre machten deutlich, wie wichtig eine sorgfältige Beobachtung von Boden, Bestockung und Witterung ist. Für den Erlenhof wurden deshalb vertiefte Parzellenanalysen und Anpassungen in Sortenwahl und Bewirtschaftung ins Auge gefasst, um langfristig eine stabile Qualität zu sichern.

E.E. Zunft zu Rebleuten - Erlenhof

Als Konsequenz aus den Erfahrungen mit Witterungsereignissen und zur gezielten Weiterentwicklung der Weinqualität wurde die Sortenbasis am Erlenhof überprüft. Ziel war es, die Lage konsequent auf eine moderne Pinot-Variante mit klar definiertem Profil auszurichten.

Komplettumstellung im Jahr 2025

Im Jahr 2025 wurden im Erlenhof alle Weinstöcke entfernt, und die Fläche wurde mit der Sorte Pinot Regina vollständig neu bepflanzt. Diese Neupflanzung bildet die Grundlage für eine zukunftsorientierte Pinot-Linie, die in den kommenden Jahren das Zunftweinsortiment aus Reinach prägen wird.

Perspektive für künftige Zunftweine

Mit Pinot Regina eröffnen sich neue Möglichkeiten in Stilistik und Ausbau, von klassischem Rotwein bis zu Spezialitäten im Einklang mit den Qualitätszielen der Zunftwinzer. Die junge Anlage hat das Potenzial, die Erlenhof-Parzelle langfristig als eigenständige Herkunft im Rahmen der Zunftweine zu etablieren.

E.E. Zunft zu Rebleuten - Erlenhof

Mittelalter bis 19. Jahrhundert
Die Blütezeit des Weinbaus in Reinach

In dieser Epoche war Reinach ein klassisches Winzerdorf. Die Hänge rund um den heutigen Erlenhof und die angrenzenden Gebiete waren Teil einer weitreichenden Rebenlandschaft im Birseck. Wein war ein wichtiges Handelsgut für das Fürstbistum Basel.

1929
Gründung des Erlenhofs und Fokus auf Landwirtschaft

Mit der Entstehung der Institution Erlenhof rückte die landwirtschaftliche Selbstversorgung in den Fokus. Während der Weinbau im restlichen Dorf durch Krankheiten (Reblaus) und die Industrialisierung zurückging, blieb die landwirtschaftliche Prägung des Erlenhof-Areals als grüne Oase erhalten.

1957
Formelle Sicherung des kulturellen Erbes

Die Gründung der Zunft zu Rebmessern in Reinach markiert den Moment, ab dem der Weinbau von einem reinen Erwerbszweig zu einem identitätsstiftenden Kulturgut wurde. Damit wurde der Grundstein gelegt, dass Flächen, wie die um den Erlenhof, später wieder gezielt für den Rebbau genutzt wurden.

2016
Die Renaissance des Rebbergs durch die Basler Zunft

In diesem Jahr übernahm die E. Zunft zu Rebleuten Basel die Pacht einer ca. 1’500 m2 grossen Fläche direkt auf dem Gelände des Erlenhofs. Es wurden gezielt Pinot Noir Rebstöcke gepflegt, um die zunfteigene Weinproduktion in Reinach zu etablieren.

2022
Das Jahr der Rekordernte

Trotz schwieriger Witterungsverhältnisse mit Hagel verzeichnete der Rebberg am Erlenhof mit 1’211 kg Trauben sein bisher ertragreichstes Jahr. Die Ernte wurde aufgrund der spezifischen Traubenbeschaffenheit zu hochwertigem Rosé und Crémant Rosé verarbeitet.

Gegenwart
Integration von Weinbau und Sozialpädagogik

Die Reben sind heute fester Bestandteil des Landschaftsbildes am Erlenhof. Der Bezug zum Weinbau spiegelt sich sowohl in den Produkten des Hofladens als auch in der Benennung der Wohngruppe «Rebhalde» wider, was die tiefe Verwurzelung der Institution mit diesem speziellen Fleck Erde zeigt.